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Das Projekt Alentejo
 
Eine Reise in den Alentejo, in die ärmste Region Portugals, gerät für jeden, der diese wildromantische Gegend jemals besucht hat, zum Erlebnis der besonderen Art.



Wie kaum irgendwo sonst in Europa prallen die Kontraste einer polaren Gesellschaftsstruktur, die in immer schnelleren Tempo zur Zweiklassengesellschaft mutiert, aufeinander. Superreich und bettelarm im wahrsten Sinne des Wortes. Und wie kaum anderswo trifft einen die brutal vorangetriebene, kommerzialisierte Zerstörung einer uralten Kulturlandschaft so hautnah, wie gerade dort, wo man meint, dass Gott das Paradies dort erschaffen hatte.
Trotzdem gibt es noch Hunderte Hektar unberührter Natur, dort wo die Schlägertrupps der "Holzfäller, die heute in Wahrheit mitleidlose Schergen der Holzbarone, ohne jedes Naturverständnis sind, noch nicht hinkamen. In den Bergen und Hügeln, die sich von der Algarve bis tief ins Landesinnere, hin zur spanischen Grenze zieht, dehnen sich endlose Eukalyptuswälder und solche, deren Korkeichen bis zu Tausend Jahre alt sind.
Dazwischen Schluchten mit Wasser und Seen, in denen vor Millionen von Jahren das Wasser tiefe Kavernen in den Stein grub, ein Prozedere, das Hunderttausende von Jahren zu seiner Entstehung benötigte.



Landflucht lässt Zehntausende Häuser leer stehen, die Jungen sind in die Stadt abgewandert, die Alten oftmals bereits gestorben oder in Altenheime abgeschoben. Jedes Haus für sich ein Juwel der baulichen Geschichte Portugals. Vereinzelt trifft man noch auf alte Portugiesen, die in diesen verfallenden Mauern ihre letzten Jahre fristen, ihre Liebe zu ihrem Land und kargen Besitz, der vielfach auch ihren Geburtsort darstellt, lässt sie ausharren bis zum letzten Tag, den Altersheimen trotzend, wohl wissend, dass diese keine Lebensqualität mehr für Sie bedeuten.
Immer wieder auch Ziegenherden, deren Schäfer mit ihnen zusammen die kargen Weideflächen beleben, eine bunte Schar mit den typischen, zumeist schwarz/weißen Schäferhunden sowie braunen, schwarzen und beigen Ziegen, deren vielstimmiges "Mäh" die wildromantische Landschaft mit Leben erfüllt. Es sind keine Schäfer im herkömmlichen Sinne, keine Knechte, Gelegenheitsarbeiter oder Untertanen. Ihr Auftreten gleicht eher dem, jener stolzer Zunftbrüder aus Ungarn, die als Schweinehirten Jahrhunderte lang Status und Ansehen im Staate und der Gesellschaft genossen. Stolz, würdevoll und erhaben über ihre Betrachter denen das hektische Leben unverkennbar auf den Leib geschrieben steht, verharren Sie, auf ihren langen Hirtenstock gestützt, majestätisch in der für sie typischen Schräglage, die all die Muße und Naturverbundenheit ihres Berufes erkennen lässt. Ein Leben, in dem Zeit und Eile ihre Bedeutung verloren zu haben scheinen.


Auch die, den Portugiesen eigene Gastfreundschaft lernt man dabei immer wieder kennen, hat man das Glück in die karge Behausung eines der Schafhirten eingeladen zu werden, in denen es weder Strom, Fliessendwasser, noch sonstigen Komfort im Sinne westlicher Auffassung gibt. Ein gemauerter, offener Herd ist bereits Luxus, zumeist wird das Feuer im einzigen Wohnraum des Hauses am Boden entzündet, der Rauch hat die Wände im Laufe der Jahrhunderte mit Ruß geschwärzt. Ein Tisch mit zwei oder drei wackeligen Stühlen und ein Strohlager am Boden stellen zumeist das einzige "Mobilar" des Hauses dar. Den Rest bewohnen Ziegen und Hühner als Unterstand bei Regenwetter, das in diesem Teil des Landes äußerst selten den Boden tränkt.


Aufgetischt wird, was "Küche und Keller" zu bieten hat: geräuchertes Ziegenfleisch, Oliven in Salzlake, selbstgebackenes Fladenbrot, Feigen, Weintrauben und am offenen Feuer gebratene Süßkartoffeln sowie Rotwein, eine Menüfolge, die man in diesem Moment nicht mit der eines Haubenrestaurants tauschen würde. Das Angebot einer Bezahlung gleicht einer Beleidigung des Gastgebers, sein Stolz verbietet jede Gegenleistung von Seiten des Gastes, wiewohl das Aufgetischte unweigerlich eine Schmälerung des kargen Budgets des Hirten bedeutet. Wir verabschieden uns mit dem landestypischen "Adiosch" und ziehen weiter, die Schönheiten der Landschaft in uns aufsaugend.


Verhungern muss wahrlich auch in dieser "Wildnis" niemand, auch wenn Gaststätten den ganzen Tag über nicht in Sichtweite geraten, denn der Tisch ist in der freien Natur reich gedeckt.
Bäume mit gelbroten Khakifrüchten, Granatäpfeln, Feigen, Birnen, Nüssen, Edelkastanien, Orangen, Zitronen, Kaktusfrüchten und Oliven aber auch der Erdbeerbaum mit seinen herrlich süßen Früchten laden immer wieder zum Verweilen und Naschen ein.



Bestellte Felder gibt es kaum, die Landwirtschaft scheint ausgelöscht, nur hie und da winzige Gärten mit etwas Salat, Kohl, Kartoffeln und Wurzelgemüse, letzte Zeugen einer ehemals blühenden Gemüseanbaukultur in Portugal.
Wanderungen durch die unberührten Hügel und Täler des Alentejos gestalten sich zum Erlebnis für all jene, die die Jungfräulichkeit einer sentimental-romantischen Landschaft in ihr Herz geschlossen haben. Naturliebhaber und Menschen die seltene Kräuter, Pflanzen und Tiere sichten wollen aber auch solche, die sich eine Auszeit aus dem hektischen Treiben unseres rastlosen Alltags gönnen möchten um wieder Gesundheit und Muse zu tanken finden hier in der Bescheidenheit eines Lebens, abseits von Terminhetze und Zeitproblematik, fernab von Komfort, Handy und Computer zurück zu ihrem eigenen Ich.


Im portugiesischen Alentejo liegen wie in der Toskana Italiens mächtig befestigte Bergstädtchen, einsame Olivenbäume stehen auf sanft geneigten Wiesen, mittelalterliche Kapellen auf den Hügeln, dazu gute Weine und deftige Spezialitäten aus Lamm und Fisch. Südöstlich des Rio Tejo, eines der größten Flüsse des Alentejos verändert sich die Landschaft: Auf Hochplateaus liegen Findlinge verstreut wie liegen gebliebenes Riesenspielzeug, die spärliche, heideartige Vegetation erinnert sogar an Skandinavien. Nur wenige Kilometer weiter, auf der schmalen Landstraße Richtung Marvão, sieht es dank Olivenbäumen und knorrigen Korkeichen wirklich aus wie in Italien - wenn auch nicht gerade Toskana-Klischees bedient werden. Eher Umbrien, weil alles so grün ist.


Kurz vor dem mittelalterlichen Dorf Castelo de Vide schlängelt sich die Landstraße zwischen Olivenbäumen, Korkeichen und hügeligen Wiesen hindurch, bis hinter gelb blühendem Ginster ein verlassenes Landgut auftaucht. Im Alentejo gibt es viele leer stehenden alten Steinhäuser, wie jenes, vor dem wir gerade verweilen. Über dem massiven Sandstein-Gebäude quietscht ein alter Wetterhahn, in der Mitte des Anwesens verströmt ein majestätischer Eukalyptusbaum seinen Duft.


Die Sonne nähert sich den Hügeln im Westen, seit einer halben Stunde hat kein Auto die Straße passiert: Ist das nicht der Traum eines jeden Großstadtflüchtlings?



Weithin sichtbar, taucht auf einer Hügelkuppe der Ort Marvão auf.


Neben einer überdimensionierten grauen Burganlage schmiegen sich kleine, weiße Häuser eng aneinander. Die Gegend an der Grenze zum mächtigen westlichen Nachbarn musste immer verteidigt werden. Marvão ist, wie fast alle Städtchen im Alentejo, eigentlich eine Festung, in schwer zugänglicher Lage, mit grandioser Aussicht. Auf über 850 Meter Höhe führt die enge Serpentinenstraße. Oben scheint die Luft ungewöhnlich klar, die Sicht reicht bis weit nach Spanien. "Marvão liegt so hoch, dass man nur die Vögel, die sich am höchsten in die Lüfte erheben, je von unten sehen kann", wie ein Priester im 18. Jahrhundert dichtete.


Im bergigen Norden des Alentejos ist es bis Anfang April noch merklich kühl, oft auch regnerisch. Und doch blühen wenige Kilometer südlich und ein paar hundert Höhenmeter tiefer, rund um Portalegre und Estremoz, dann schon Orangen- und Zitronenbäume in den Gärten, Weinreben wachsen auf den Hügeln. Kein Wunder, dass in einer solchen Region auch der "Turismo em Espaco Rural" gedeiht: Über kleine Feldstraßen und Pisten erreicht man ehemalige Bauernhöfe - auf Portugiesisch Quintas -, die wochenweise vermietet werden.


Eingebettet in diese Landschaft liegt Evora, die "Perle des Alentejo", von der Unesco zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Die Stadt ist ein begehbares Museum, der zentrale Platz bietet einen einmaligen Mix aus gotischer Kathedrale, riesenhaften römischen Säulen (die einem Dianatempel zugeschrieben werden) und barocken Palästen. Sicher würde der Vergleich mit toskanischen Weltstädten wie Florenz oder Siena in die Irre führen, aber dafür steht in den Gassen von Evora ein geradezu betäubender Duft von blühenden Orangenbäumen.


Statt knatternder Motorinis und multikulturellen Touristenmassen hört man aus kleinen Gärten die Grillen zirpen, und der Brunnenrand an der Praca do Giraldo gehört noch alten Männern mit den traditionellen Mützen, die die letzten Sonnenstrahlen genießen. 40 Kilometer weiter südlich überrascht der Landschaftswechsel erneut. Es sieht nämlich aus wie in Namibia.


Oder wie in Kenia, irgendetwas zwischen Trockensavanne und Grassteppe. Man würde sich nicht wundern, wenn nach der nächsten Kurve eine Antilopenherde ins Bild liefe.


Im südlichen Teil des Alentejos, dem Baixa Alentejo, beginnt das, was Botaniker als "mediterrane Cereal-Steppe" bezeichnen. In trockenen Sommern wirkt alles ausgedörrt, riesige Korkeichen ragen wie Riesenfinger in den Himmel. Spätestens dann kann auch die Wasserknappheit afrikanische Dimensionen erreichen.
Im Frühjahr aber ist die Landschaft wie verzaubert: Die ganze weite Steppe ist wie ein Blumenmeer, manchmal so bunt wie eine psychedelische Blümchentapete.


Bei aller Wandelbarkeit der Landschaften des Alentejos ist ein gewisses Gefühl von Verlorenheit und Verlassenheit allgegenwärtig.



Dieses Gefühl lässt sich durchaus in konkreten Zahlen ausdrücken. Die Subregion Baixo Alentejo bewohnen gerade mal 135.000 Menschen. Die Saudade, der berühmte portugiesische Weltschmerz, scheint hier seinen festen Wohnsitz zu haben.


Eine Reise durch den Alentejo scheint auch immer wie eine Zeitreise zu sein. Die Storchennester auf den alten Telefonmasten, die Blütenpracht der weiten Ebenen, die wie ausgestorbenen kleinen Städtchen, von denen Mértola das am stärksten arabisch geprägte ist: Alles hat den Charme vergangener Zeiten.


Den Alentejo zu durchwandern aber, was auch in Begleitung von Eseln möglich ist, bedeutet seinen Horizont zu erweitern und das Leben neu zu erfahren.
Hier tankt man seine "innere Batterie" wieder auf und öffnet sein Herz für die wahren Schönheiten des Lebens.
Man erlebt neue Erfahrungen, lernt gute Freunde kennen und während man die Hügeln des Alentejos durchstreift beginnen die Gedanken zu fliegen.


Alles, was einen Tage zuvor noch bedrückte und unlösbar schien, wird klar und einfach in einer Landschaft, die die atemberaubende Schönheit der italienischen Toscana und die herbe Wildheit eines Regenwaldes in sich zu vereinigen scheint.
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